Universität Hamburg Mineralogisches Museum Universität Hamburg
  PERLENDIAGNOSE / PERLENUNTERSUCHUNG 

Das Mineralogische Museum der Universität Hamburg erstellt Perlenbegutachtungen mittels Röntgenverfahren (Radiografie, Röntgenbeugung und Röntgenfluoreszenz). Anhand von Röntgenuntersuchungen lässt sich zerstörungsfrei ermitteln, ob

  • natürliche oder gezüchtete Perlen vorliegen
  • es sich um Perlen mit Zuchtkern handelt
  • es sich um kernlose Zuchtperlen handelt
  • es sich um Süßwasser- oder Salzwasserperlen handelt.

I. Naturperlen (Orientperlen)
Röntgenschattenaufnahmen (Radiografien) von Perlen lassen deren Wachstumsstrukturen erkennen. Naturperlen (Orientperlen) haben einen charakteristischen inneren Aufbau, der sie von Zuchtperlen unterscheidet.

II. Perlen mit Zuchtkern
Röntgenbeugungsbilder geben den kristallografischen Aufbau von Perlen wieder. Ein Zuchtkern ist anders strukturiert als eine natürliche Perle, deshalb verrät eine Beugungsaufnahme die Zuchtperle. Eine spezielle Röntgenbeugungseinrichtung des Mineralogischen Museums Hamburg gestattet die direkte Beobachtung der Beugungsbilder (Laue-Diagramme) von Perlen. Dies ermöglicht somit eine schnelle und präzise Identifizierung von Zuchtkernen, wie sie etwa bei Akoya- oder Südsee-Zuchtperlen verwendet werden.

III. Kernlose Zuchtperlen
Röntgenschattenaufnahmen werden auch für die Identifikation kernloser Zuchtperlen, wie etwa für chinesische Süßwasserzuchtperlen, herangezogen. Kernlose Zuchtperlen sind zwar weitgehend wie Naturperlen aufgebaut, zeigen aber aufgrund ihrer Entstehung charakteristische Merkmale in ihrem Zentrum.

IV. Salzwasser- oder Süßwasserperlen
Die Beobachtung der Lumineszenz von Perlen unter Röntgenstrahlung erlaubt eine Aussage über die Herkunft von Perlen aus Salzwasser- oder Süßwassermilieu, da ausschließlich Süßwasserperlen im Röntgenlicht fluoreszieren.

Kosten und Kontakt
Die Untersuchungskosten richten sich nach Aufwand und sind zu erfragen bei
Prof. Dr. Jochen Schlüter

Perlendiagnose mittels Röntgenstrahlen
Perlen stammen aus natürlichen Populationen bestimmter Meeres- und Flussmuscheln oder sie sind das Produkt menschlicher Manipulationen an diesen Mollusken. Obwohl bereits seit annähernd hundert Jahren Zuchtperlen verfügbar sind, haben Naturperlen stets ihren hohen Wert behalten. Für die Wertermittlung von Perlen hat also die Unterscheidung von Zuchtperlen und natürlichen Perlen eine wichtige Bedeutung.

Das erste Verfahren zur Perlenzucht wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Japan entwickelt. Hierbei wird ausgewachsenen Meeresmuscheln ein aus Muschelschale gedrechselter Kern zusammen mit einem Stück Mantelgewebe einer fremden Muschel der gleichen Art eingesetzt. Das eingepflanzte Gewebestück ist so gewählt, dass es zum Zuchtkern hin die Perlmutt produzierenden Epithelzellen einer Muschel trägt. Es sind diejenigen Zellen, die bei einer Muschel das Perlmutt der Muschelinnenseite ausbilden. Dieses Gewebestück, wächst in der Folge weiter und umschließt den eingesetzten Zuchtkern mit einem so genannten Perlsack. Bei guter Pflege der Muschel und optimalen Lebensbedingungen scheiden die Epithelzellen nun Perlmutt auf den Zuchtkern ab, so dass sich nach einigen Monaten eine Perlmuttschicht auf dem Zuchtkern gebildet hat. Das Resultat nach der Ernte ist eine Zuchtperle mit großem Zuchtkern und einer dünnen Perlmuttschicht.

Seit Mitte des letzten Jahrhundert hat sich, hervorgegangen aus Zuchtversuchen im japanischen Biwa-See, eine zweite Zuchtform entwickelt. Hierbei werden schnell wachsende Süßwassermuscheln verwendet, in die nur das besagte Epithelstück ohne Zuchtkern eingesetzt wird. Die zunächst nur kleinen reiskornförmigen Süßwasserzuchtperlen der 70iger Jahre sind heute durch große, runde Perlen guter Qualität abgelöst worden.

Naturperlen und Zuchtperlen sind optisch häufig nicht mehr zweifelsfrei zu unterscheiden. Doch der Werdegang natürlicher Perlen und die verschiedenen Zuchtverfahren der Zuchtperlen hinterlassen im Inneren der Perlen charakteristische Wachstumsmerkmale.

Ein zuverlässiges und elegantes Hilfsmittel diese inneren Strukturen sichtbar zu machen und somit den Charakter einer Perle zerstörungsfrei zu enthüllen sind Röntgenverfahren, wie sie im Mineralogischen Museum der Universität Hamburg durchgeführt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Die Perlendiagnose mittels Röntgenverfahren beruht auf der unterschiedlichen Durchgängigkeit von Röntgenstrahlen durch die verschiedenen Komponenten der Perle und auf deren Wechselwirkung mit der anorganischen Perlsubstanz.

Der die Zuchtperle dominierende Zuchtkern besteht aus parallelen Aragonitlagen und unterscheidet sich damit vom kugeligen Aufbau einer Naturperle. Dieser strukturelle Unterschied läßt sich durch Röntgenbeugung sichtbar machen. Zuchtperlen mit Kern lassen sich auf diese Weise unmittelbar von Naturperlen unterscheiden.

Bei den kernlos gezüchteten Süßwasserperlen, die nur im Innersten Zuchtmerkmale besitzen und ansonsten im Aufbau den Naturperlen gleichen, ist diese Methode wirkungslos. In diesem Falle hilft das Röntgenschattenverfahren weiter, bei dem die zu untersuchenden Perlen durchleuchtet werden. Das Perlmutt von Perlen ist tatsächlich nichts anderes als das schillernde Perlmutt im Inneren von Muschelschalen. Es besteht aus Aragonit, einem Calciumkarbonat, in Form winziger Plättchen, die in einem Netzwerk der organischen hornähnlichen Substanz Conchyn orientiert eingebunden sind. Da Conchyn eine bessere Durchlässigkeit für Röntgenstrahlen besitzt als Aragonit, ergeben sich unterschiedliche Schwärzungsgrade auf einem hinter der Perle angebrachten Röntgenfilm. Dadurch wird der Aufbau der Perle und damit ihre Entstehungsgeschichte sichtbar. So zeigen Naturperlen im Idealfall in etwa das Muster der Jahresringe einer Baumscheibe, kerngezüchtete Zuchtperlen lassen den kreisrunden Zuchtkern erkennen und kernlose Zuchtperlen führen im Zentrum meist dunkle unregelmäßige Merkmale.

Ein Indiz für die Herkunft von Perlen ist letztlich auch ihr Fluoreszenzverhalten. Süßwasserperlen glimmen im Dunkeln unter Röntgenstrahlen in einem grünlichgelbem Licht, eine Eigenschaft die bei Salzwasserperlen nicht auftritt.

Weiterführende Informationen finden Sie in "Perlen und Perlmutt", J. Schlüter u. Chr. Rätsch, Ellert&Richter-Verlag Hamburg, 1999.
 

Impressum | Letzte Aktualisierung am 21. September 2017 durch R. Kurtz